AstA-Ausstellung im Tagesspiegel

27.04.2012 Tagesspiegel
Theresienstadt-Ausstellung an der TU
Die Mädchen von Zimmer 28

von Amory Burchard

Wie Kinder sich in Theresienstadt organisierten, wird jetzt an der TU Berlin gezeigt. „Zimmer 28“ symbolisiert die Schrecken der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik, denen auch zahllose Kinder ausgesetzt waren.

Helga Pollak, eine 13-jährige Wienerin im tschechischen Exil, notierte am 17. Januar 1943 in ihrem Tagebuch: „Ich muss morgen früh aufstehen. Ich liege angezogen, denn ich habe nichts mehr zum zudecken.“ Es war der Abend bevor sie in das Sammel- und Durchgangslager Theresienstadt verschleppt wurde. Helga kam in Zimmer 28 des Mädchenheims, 30 Quadratmeter mit dreistöckigen Pritschen, in dem 30 Mädchen im Alter von 12 bis 14 Jahren lebten. Den „Mädchen von Zimmer 28“ ist eine kleine Ausstellung gewidmet, die auf Initiative des Asta der Technischen Universität Berlin bis 30. Mai im TU-Hauptgebäude zu sehen ist. Gezeigt wird auch ein Nachbau des Zimmers.

„Zimmer 28“ symbolisiert die Schrecken der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik, denen auch zahllose Kinder ausgesetzt waren, zugleich aber die Kraft von Gemeinschaft und Freundschaft. Denn obwohl die auf engstem Raum zusammengezwungene Gruppe ständig durch Transporte in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zerrissen wurde, bildete sich ein Freundschaftsbund. Diese „ schützende Insel“ begründeten die Mädchen gemeinsam mit ihren Betreuerinnen, Häftlinge wie sie. Das Motto ihres „Maagal“ (Hebräisch für Kreis) spricht von der Suche nach Halt inmitten des Grauens: „Du glaubst mir, ich glaube dir. Du weißt, was ich weiß. Was immer kommen mag, du verrätst mich nicht, ich verrate dich nicht.“

Heimlich wurden die Mädchen von inhaftierten Lehrerinnen unterrichtet. An den Wänden des Zimmer-Nachbaus hängen Kollagen und Aquarelle, die von der Anleitung durch Künstlerinnen wie Friedl Dicker-Brandeis zeugen. Auch in der Kinderoper Brundibár, komponiert von Theresienstädter Häftlingen, wirkten einige der Mädchen mit.

Von den rund 60 Bewohnerinnen des „Zimmers 28“ haben nur 15 überlebt. Nach dem Krieg nahmen sie untereinander Kontakt auf, durch die deutsche Autorin Hannelore Brenner-Wonschik wurde ihr Schicksal hierzulande bekannt. Brenner-Wonschik schrieb ein Buch über die „Mädchen von Zimmer 28“ (2004) und ist auch Kuratorin der Wanderausstellung, die jetzt an der TU zu sehen ist. Der von ihr gegründete Verein „Room 28“ ruft jetzt ein Bildungsprojekt für Schüler ins Leben, das am 10. Mai in der Botschaft der Tschechischen Republik vorgestellt wird.

Eine der Überlebenden ist Helga Pollak-Kinsky. Sie unterstützt das Bildungsprojekt und wird am 12. Mai in der Universität der Künste aus ihrem Tagebuch lesen.

Bis 30. Mai im Lichthof des TU-Hauptgebäudes, Straße des 17. Juni 135; Zimmernachbau bis 22. Mai in Raum H 2035. Der Asta begleitet die Ausstellung mit Filmen und Vorträgen (Informationen unter: www.asta.tu-berlin.de). Kontakt zum Room 28-Bildungsprojekt: 030-6918395.

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Programm an der TU Berlin vom 25. April bis 30. Mai 2012 „Die Mädchen von Zimmer 28, L410 Theresienstadt“

Ausstellung im Foyer vor dem Cafe Wetterleuchten, Erdgeschoss Hauptgebäude der TU Berlin und Nachbau des Zimmers 28 in Raum H2035 ebenfalls im Hauptgebäude. Straße des 17. Juni 145

Mittwoch, 25.4. 18 Uhr Vernissage Mit musikalischer Begleitung durch Studierende der UdK. Im Lichthof der TU (Hauptgebäude).

Mittwoch 2.5. 19 Uhr Filmabend mit Einführung im H2036 Theresienstadt und die NS-Propaganda „Kurt Gerron – Gefangen im Paradies“, Dokumentation 87 Min., Kanada/USA/GB/Deutschland 2002, R: Malcolm Clarke, Stuart Sender

Mittwoch 9.5. 19 Uhr Filmabend mit Einführung im H2036 Das Rote Kreuz in Theresienstadt „Ein Lebender geht vorbei“ (OmU), Dokumentation 65 Min., Frankreich 1997, R: Claude Lanzmann

Samstag 12.5. 14 Uhr Lesung in der UdK, Raum 310 Hardenbergstr.33 Helgas Tagebuch. Ein Mädchen von Zimmer 28. Mit Helga Kinsky (Wien) und der Autorin Hannelore Brenner-Wonschick.

Mittwoch 16.5. 19 Uhr Filmabend mit Einführung im H2037 Frühe Thematisierungen der Shoah im Ostblock „Daleká cesta / Distant Journey“ (OmU), Spielfilm 108 Min., Tschechoslowakei 1949, R: Alfréd Radok

Mittwoch 23.5. 19 Uhr Filmabend mit Einführung im H2035 Hollywood und der Nationalsozialismus „Sein oder Nichtsein“ (OmU) Spielfilm 99 Min., USA 1942, R: Ernst Lubitsch

Mittwoch 30.5. 18 Uhr Finissage im EB407 Es spricht Dr. Rainer Erb (ZfA) über die Gedenkpraxis vor 50 Jahren und heute.

LiMA12-Wegweiser

vom 21. bis 25. März läuft in der TU Berlin die Linke Medienakademie 2012.

Anlaufpunkte

Der zentrale Anlaufpunkt der LiMA, an dem ihr euch auch mit euren Tickets oder für Tageskarten registrieren könnt, befindet sich vor dem Audimax im Hauptgebäude. Dort werden häufig auch Leute aus dem AStA-Umfeld anzutreffen sein. Ansonsten findet ihr uns natürlich im AStA.

Zur Orientierung könnt ihr unseren alternativen Campusplan und den Campusplan der TU Berlin (PDF, mit Gebäudebezeichnungen) heranziehen.

Programm-Hinweise

Besonders wollen wir euch einladen, am Donnerstag (22.3.) ab 13:30 Uhr im AStA vorbeizuschauen. Wir sprechen über die Ökonomie der Hochschule, die Bedeutung studentischer Verbindungen und Burschenschaften sowie Geschlechterrollen in Medien, Politik und Gremien. Auch die anderen Veranstaltungen des AStA-Umfeld sind größtenteils im EB-Gebäude.

An den anderen Tagen finden ebenso dutzende empfehlenswerte Veranstaltungen statt. Der Workshop „Recht auf Stadt: Stadtumstrukturierung und ihre Folgen“, angekündigt für Freitag, fällt leider aus!

Falls ihr euch spontan irgendwo reinsetzen wollt: Im Hauptgebäude wird rund um die Uhr ein reichhaltiges Rahmenprogramm geboten.

Verpflegung

Es wird vegane und günstige Mittags-Verpflegung durch eine Vokü geben. Wenn ihr beim Kochen mithelfen wollt, kommt in der Zwille vorbei! Genaueres zu Uhrzeit und Ort, sowie tagesaktuelle Infos findet ihr demnächst hier.

Frischer Kaffee und Getränke bekommt ihr jeden Tag zwischen 10 und 18 Uhr an Ständen vor dem Audimax gegen Spende . (Günstiger und vielseitiger als die Coke-Automaten der TU … und die Überschüsse fließen auch noch zu 100% in linke Projekte!)

Von Dienstag bis Freitag könnt ihr zwischen 11:30 und 14:30 auch in der Mensa der TU essen. Fast-Food zum City-West-Tarif bekommt ihr am Bahnhof Zoo, südwestlich des Campus.

Abendprogramm

Wir sammeln hier abendliche Veranstaltungen, die irgendwie mit der LiMA zusammenhängen oder in der Nähe stattfinden.

Dienstag, 20.03., 18:30 Uhr: LiMA-Auftakt-Treffen im Raum EB 133C (50)
Freitag, 23.03., 20:30 Uhr: LiMAnetzwerk-Abend im Restaurant „Filmbühne“ (Hardenbergstr.12 am Zoologischen Garten)

Für Leute, die sich in Berlin nicht auskennen, ist bestimmt interessant, dass man sich im Allgemeinen auch spontan einen sehr schönen alternativen Abend mithilfe der Termine aus dem Stressi zusammenbasteln kann.

Wetter

Wir haben ab Mittwoch leicht bewölktes bis sonniges Wetter bei Tagestemperaturen zwischen 10 und 18 Grad (nachts: 8 bis 12) und ohne Regen gebucht. Der grüne Südcampus sollte also mittags zu Spiel, Spaß und Rumgammeln auf der Wiese einladen :) .

„Russenlager“ und Zwangsarbeit: Vorträge der Veranstaltungen jetzt online

Die Ausstellung „Russenlager“ und Zwangsarbeit im TU Hauptgebäude ist nun wieder abgebaut. Im Nachgang wird es einen längeren Bericht im nächsten AstA-Info geben.

Fotos von der Eröffnung am 9. Januar sind nun auch auf unserem Flickr-Account.

Auf unserem Youtube-Kanal könnt ihr die drei inhaltlichen Veranstaltungen nocheinmal nachhören.

- Alex J. Kay: NS-Pläne für den Osten: Ausbeutung, Umsiedlung, Massenmord (45:32min)
Vortrag zur NS-Zukunftsplanung (Backe-Plan und Generalplan Ost) auf dem Gebiet der Sowjetunion. Gehalten am 13.01.2012 in der HU-Berlin.
- Thomas Kuczynski: Brosamen vom Herrentisch (65:23min)
Vortrag über den Profit aus Zwangsarbeit und die Zwangsarbeiterentschädigung. Gehalten am 20.01.2012 im Kontakte Domizil (Berlin-Schöneberg)
- Podium: Marcus Funck, Peter Jahn, Jens Nagel, Hilde Schramm: Sowjetische Kriegsgefangene – Vergessene NS-Opfer (79:16min)
Diskussion zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus am 26.01.2012 an der TU Berlin

Unser Abschlussbeitrag auf der Finissage: (mehr…)

Solidaritätserklärung des AStA der Technischen Universität Berlin zu den jüngsten Ereignissen an der Uni Göttingen am 13.01.2012

Am 10.01.12 kam es auf dem Campus der Uni Göttingen zu einem Polizeieinsatz, bei dem mehrere Menschen, die friedlich gegen die Veranstaltung „Sicherheitspolitik in Niedersachsen und in Göttingen im Speziellen“ protestieren wollten, verletzt wurden.

Am 10.01.12 kam es auf dem Campus der Uni Göttingen zu einem Polizeieinsatz, bei dem mehrere Menschen, die friedlich gegen die Veranstaltung „Sicherheitspolitik in Niedersachsen und in Göttingen im Speziellen“ protestieren wollten, verletzt wurden.
Bei der Veranstaltung hielt der niedersächsische Innenminister auf Einladung des RCDS Göttingen einen Vortrag zu Thema „Wie sicher ist Göttingen?“. Als AStA der TU Berlin halten wir es für legitim, dass Studierende bei einer solchen Gelegenheit auch auf die niedersächsische Abschiebepolitik und die Rolle von Geheimdiensten bei der Aufklärung der Taten der rechtsterroristischen NSU aufmerksam machen wollten. Wir schließen uns dem AStA der Universität Göttingen an und halten die Universität für einen Raum, in dem freie Meinungsäußerung möglich sein muss.
Der Protest wurde jedoch bereits im Vorfeld kriminalisiert und schließlich ohne Vorwarnung zum vorzeitigen Ende geführt. Mehrere Menschen erlitten Verletzungen, darunter auch Kopfverletzungen. Dass politische Willensbekundung und Meinungsäußerung von einem massiven Polizeiaufgebot einfach niedergeknüppelt wird verurteilen wir aufs Schärfste. Wir verurteilen weiter die Universitätsleitung, die mit ihrer Genehmigung den Polizeieinsatz erst möglich machte. Außerdem halten wir es für äußerst fragwürdig und schauderhaft, dass der RCDS nun versucht aus dem Polizeieinsatz und den verletzten Studierenden Kapital für die bevorstehenden StuPa Wahlen zu schlagen. Angesichts der Vorgänge an der Uni Essen ist es befremdlich, dass ausgerechnt der RCDS sich in dieser Art als Wächter der Demokartie aufspielt.
Wir sind solidarisch mit allen Protestierenden und fordern die Stadt Göttingen, sowie das Land Niedersachsen auf, dieser Polizeirepression nachzugehen.

Offener Brief zum UniCat-BASf Joint Lab

Am 8.12. wurde ein Kooperationsvertrag zwischen dem Chemiekonzern BASF-SE und dem Exzellenzcluster, an dem das Institut für Chemie an der TU beteiligt ist, unterzeichnet. Als Allgemeiner Studierendenausschuss und als Fachbereichsinitiative Chemie der TU Berlin lehnen wir diesen Vertrag aus mehreren Gründen ab.

Einmal mehr kritisieren wir den für die TU Berlin anscheinend üblichen, eiligen und undurchsichtigen Weg des Vertrags über die ohnehin schon undemokratischen Gremien hinweg. Man erinnere sich an den unlängst geschlossenen Vertrag mit der Deutschen Bank. So wurde der Vertrag einzig im Akademischen Senat ausführlicher behandelt. Selbst an dieser Stelle wurden kritische Diskussionen abgewürgt und das Vertragswerk mehrheitlich von Mitgliedern durchgestimmt, die dafür bekannt sind, ihre Sitzungsunterlagen nicht zu lesen, sondern dem Leithammel-Prinzip folgend „blind“ abstimmen. Es gibt aber auch noch einige andere Argumente, die gegen den Abschluss eines solchen Vertrags sprechen. Ein schon oft vorgebrachtes, aber in Anbetracht der allgemeinen Entwicklung stets überhörtes Argument, ist das der zunehmenden Einbindung der Hochschulen in die Privatwirtschaft. Der Kooperationsvertrag ist ein weiterer Schritt der Verlagerung der Hochschulfinanzierung von öffentlichen Geldern auf unternehmerisches Kapital. Die Folgen sind klar: Abhängigkeit der Forschung und damit, dem Postulat der Einheit von Lehre und Forschung folgend, der universitären Bildung, von der unmittelbaren Verwertbarkeit der Ergebnisse durch eben jene Unternehmen – sei es in Form von Wissen oder qualifizierten Arbeitskräften. Damit geht auch eine steigende Abhängigkeit von Drittmitteln überhaupt einher. Wenn die Universitäten diesem Trend bereitwillig folgen, braucht es nicht zu wundern, wenn öffentliche Mittel gekürzt werden. Heute will niemand daran denken, aber letztlich ist die daraus folgende zunehmende Abhängigkeit des laufenden Universitätsbetriebs von den unvorhersehbaren Bewegungen der Märkte nicht kalkulierbar.

Erneut wird hier Geld in ein „Exzellenzprojekt“ (UniCat) investiert, das zur zunehmend prekär gewordenen Finanzierung einer, im Sinne des Zugangs und des Inhalts, breiten universitären Lehre genutzt werden könnte. Diese angeblich primäre Aufgabe der Universität wird Elitenförderung und Standortkonkurrenz geopfert. Laut Presseberichten trägt die TU einen erheblichen Anteil des € 13 Mio. schweren Projekts. BASF selbst trägt knapp die Hälfte bei. Wie viele gestrichene Professuren und Lehraufträge damit hätten finanziert werden können, muss hier nicht aufgerechnet werden. Als AStA hören wir außerdem immer wieder: Es herrscht Mangel an Räumen an der TU. Für studentische Initiativen mag das zutreffen – für hochkarätige Wirtschaftskooperationen nicht.

Nicht zu vergessen ist zu guter Letzt der BASF selbst: Während das Projekt mit „Nachhaltigkeit“ für sich wirbt, wendet sich der Konzern regelmäßig gegen Umweltschutzmaßnahmen, beeinflusste die Gestaltung der EU-Chemikalienrichtlinie REACH in seinem Sinne und finanzierte Klimaschutzgegner bei US-Amerikanischen Kongresswahlen. Hinzu kommt eine nicht vorhandene Aufarbeitung der eigenen Rolle bei Kriegsverbrechen und Vernichtung im Nationalsozialismus (IG-Farben). Gerade für die TU, die ihrerseits eine enorme geschichtliche Vorbelastung aufweist und diese immer wieder zu vergessen droht, sollte so etwas eine Rolle spielen.

Wir fordern an dieser Stelle von allen Angehörigen der Universität sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden, gegen eine weitere Verlagerung der Universität von einer öffentlichen zur privatwirtschaftlichen Institution und für eine unabhängige Bildung und Wissenschaft Partei zu ergreifen, sowie mögliche Drittmittelgeber einer kritischen Betrachtung zu unterziehen.

Allgemeiner Studierendenausschuss, Projektrat und Fachbereichsinitiative Chemie TU Berlin

„Russenlager“ und Zwangsarbeit – Ausstellung an der TU Berlin

„Russenlager“ und Zwangsarbeit – Bilder und Erinnerungen sowjetischer Kriegsgefangener


9. Januar – 10. Februar 2012: Ausstellung und Veranstaltungen

Ausstellung im Hauptgebäude der TU Berlin (Straße des 17. Juni 135, U-Ernst Reuter Platz)

Mehrere inhaltliche Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung an unterschiedlichen Orten mit Marcus Funck, Peter Jahn, Alex J. Kay, Thomas Kuczynski, Jens Nagel, Eberhard Radczuweit, Hilde Schramm und Gabriele Wendorf.

Präsentiert vom AStA der TUB und KONTAKTE-KOHTAKbI e.V.

70 Jahre nach dem Überfall auf die Sowjetunion zeigt der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Technischen Universität Berlin die Ausstellung des Vereins KONTAKTE-KOHTAKbI e.V., um die vergessenen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu würdigen. Im Rahmen der Ausstellung finden vier inhaltliche Veranstaltungen an der TU, an der Humboldt Universität, in der Trinitatis Gemeinde und in der Geschäftsstelle von Kontakte e.V. statt.

Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion vor 70 Jahren war der Beginn eines beispiellosen Verbrechens gegen die Menschheit. 27 Millionen Menschen fielen dem Terror des Nationalsozialismus zum Opfer. Viele Opfergruppen sind nach dem Krieg als Opfer des NS-Regimes durch die Bundesrepublik Deutschland entschädigt worden. Die sowjetischen Kriegsgefangenen jedoch, die besonders unter dem NS-Terror gelitten haben, wurden nicht als Opfergruppe anerkannt.
Von den 5,7 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen haben fast 60 Prozent den Krieg nicht überlebt. In so genannten „Russenlagern“ wurde ihr Tod durch Mangelernährung und Seuchen billigend in Kauf genommen. Denn „wir führen nicht Krieg, um den Feind zu konservieren“ (Kommentar zu den Einsatzbefehlen des Reichssicherheitshauptamtes 1941 welche die Vernichtung der kommunistischen Idee in den Lagern durch „besondere Maßnahmen“ anordnete). Die militärische Auseinandersetzung Deutschlands mit der Sowjetunion war von Beginn an auch eine weltanschauliche, in der das Leben der sowjetischen Kriegsgefangenen keinen Wert hatte.
In der Ausstellung zu sehen sind künstlerische Portraits, die der Fotograf Lars Nickel in Armenien und in Wolgograd schuf und die die Schicksale von Überlebenden aus deutschen Kriegsgefangenenlagern bildhaft schildern. Daneben sind Zitate aus Tonbandprotokollen und Briefen der Portraitierten sowie Dokumente und Bildmaterial aus dem Bundesarchiv, darunter Feldpostbriefe, ausgestellt. Die Exponate behandeln die Themen: Kriegsdienst, Gefangennahme, Lager und Zwangsarbeit, Befreiung, Repatriierung und Nachkriegszeit.
Der Verein KONTAKTE-KOHTAKTbl e.V. setzt sich seit Jahren für eine Entschädigung und Anerkennung der sowjetischen Kriegsgefangenen als Opfer des NS-Regimes ein. In Form einer Petition hat er sich 2006 an den Deutschen Bundestag gewandt, über die bis heute nicht entschieden worden ist.

Warum an der TU?
Der Vorgänger der Technischen Universität, die „Königliche Technische Hochschule“, war wie die heutige Humboldt Universität an der Ausarbeitung des „Generalplan Ost“ beteiligt. Diese theoretischen Konzepte bildeten auf Grundlage der NS-Rassendoktrin die Planung für eine Kolonisierung und „Germanisierung“ von Teilen Osteuropas. Die Planspiele zur deutschen „Lebensraumerweiterung“ beinhalteten die Vertreibung, Versklavung und Vernichtung der slawischen Bevölkerung Osteuropas. Auch die Wehrtechnische Fakultät V an der Königlichen Technischen Hochschule hatte daran ihren Anteil. Zuletzt wurde die Ausstellung an der Humboldt Universität gezeigt. Im Unterschied zur HU, wo sich das Institut für Geschichte dafür engagierte, übernimmt an der TU der AStA die Organisation der Ausstellung.

www.asta.tu-berlin.de und www.kontakte-kontakty.de

Termine

9. Januar – 10. Februar 2012
Ausstellung im Hauptgebäude der TU Berlin vor dem Audimax

(Straße des 17. Juni 135, U-Ernst Reuter Platz, zu besichtigen Montag – Freitag 8-21 Uhr)

Montag, 9. Januar 2012, 18 Uhr, Ausstellungseröffnung
(Straße des 17. Juni 135, U-Ernst Reuter Platz)
Mit André Schmitz (Kulturstaatssekretär), Günther Saathoff (Stiftung-Erinnerung Versöhnung Zukunft), KONTAKTE-KOHTAKbI e.V. und Gabriele Wendorf (3. Vizepräsidentin der TU Berlin)

Freitag, 13. Januar 2012, 19 Uhr, Vortrag von Alex J. Kay
Humboldt Universität, Hauptgebäude Saal 2002 (Unter den Linden 6, S/U-Friedrichstraße)

Vortrag von Alex J. Kay (Historiker) zu „Ausbeutung, Umsiedlung, Massenmord: NS-Zukunftspläne für den Osten: Backe-Plan und Generalplan Ost“.
NS-Umsiedlungs- und Massenmordpläne für die deutschbesetzten sowjetischen Gebiete existierten, die in ihren Ausmaßen sogar die tatsächlich angewandte Gewalt der Nationalsozialisten bei Weitem übertrafen. Das sieht man am Beispiel des Backe-Plans zur Verhungerung von dreißig Millionen Menschen sowie am Generalplan Ost zur Vertreibung weiterer einunddreißig Millionen Menschen nach Sibirien.

Freitag, 20. Januar 2012, 19 Uhr, Vortrag von Thomas Kuczynski
Geschäftsstelle KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V, (Feurigstr. 68, S-Julius-Leber-Brücke)

Vortrag von Thomas Kuczynski zur Zwangsarbeiterentschädigung „Brosamen vom Herrentisch. Eine beschämende Geschichte“

Donnerstag, 26. Januar 2012, 19 Uhr, Podiumsdiskussion zu „Sowjetische Kriegsgefangene – Vergessene NS-Opfer?“
TU Berlin, Hauptgebäude, Saal H0110 (Straße des 17. Juni 135, U-Ernst Reuter Platz)

Mit Marcus Funck (Historiker, TU Berlin), Peter Jahn (ehemals Direktor deutsch-russisches Museum Karlshorst), Jens Nagel (Leiter Gedenkstätte Ehrenhain-Zeithain)
Zum Nationalen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus, der hartnäckig in allen Medien als „Holocaust-Gedenktag“ bezeichnet wird, fallen die ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen regelmäßig aus dem Gedenken heraus. Bei der Podiumsdiskussion soll über Gründe hierfür und die aktuelle Situation des Gedenkens und der Gedenkstätten gesprochen werden.

Donnerstag, 2. Februar, 19 Uhr, Lesung aus den „Freitagsbriefen“
Trinitatis Gemeindehaus (Leibnizstr. 79, S-Charlottenburg)

„Ich werde es nie vergessen“ Eberhard Radczuweit liest aus Briefen ehemaliger sowjetischer Kriegsgefangener

Freitag, 10. Februar 2012, 18 Uhr, Finissage (Straße des 17. Juni 135, U-Ernst Reuter Platz)
Zum Abschluss der Ausstellung. Es sprechen: Prof. Christian Jansen (Neuere und Neueste Geschichte), Eberhard Radczuweit (Kontakte-Kontakty e.V.) und jemand vom AStA.

Besuch vom Generalstab

Vergangenen Mittwoch sprach „Oberstleutnant im Generalstab“ Christian Musche im Rahmen der Vorlesung „Neue Akteure in der Entwicklungspolitik“ an der TU Berlin. Die kritische Intention der von der Society for International Development (SID) organisierten Ringvorlesung, machte sich dabei leider nicht bemerkbar und der erhoffte Erkenntnisgewinn über die moderne Zivil-Militärische-Zusammenarbeit blieb so, zumindest für Zuhörer_innen ohne entsprechende Vorkenntnisse, aus. Auch die anschließende Diskussion konnte daran nicht viel ändern. Ein Kommentar zur nachholenden Kritik.

Mit militärisch präzisem Bürstenschnitt, aber in Zivil gekleidet, trat Christian Musche vor das Publikum. Er eröffnete sein Referat mit einigen Worten zu seinem Werdegang bei der Bundeswehr, der er beitrat um die „Reife“ zu erlangen, die er bei seinen großen Brüdern nach abgeleistetem Militärdienst zu sehen glaubte.

Zum Thema selbst wollte er vor allem klar stellen, was eigentlich den meisten bewusst sein sollte: Die Bundeswehr ist keine Truppe von Brunnenbauern, sondern die bewaffnete Interessenvertretung der deutschen Nation. Das ganze Drumherum diene vor allem dem Knüpfen von Beziehungen vor Ort und der Einschätzung der Zivilbevölkerung hinsichtlich ihrer Haltung zur Truppe, ihren Interessen, Motivationen und so weiter – alles was zur strategischen Planung von Interesse ist. Gemeinsame Aufbauarbeiten geschähen hingegen dort, wo sie dem Einsatz dienen. Zur Illustration schilderte er eine „Win-Win-Win-Situation“, wie er es nennt, aus dem afghanischen Alltag: Die lokale Bevölkerung wird zur Befestigung einer Straße für die Befahrung durch Panzer herangezogen. Die Armee spart Zeit und Lohnkosten und „der Afghane (sic!)“ bekommt, was er angeblich am Nötigsten braucht: Arbeit.

Doch die unbewusst zynische Ehrlichkeit des Heeresvertreters kennt seine Grenzen. Dass die im gezeigten Diagramm für zivil-militärische Netzwerke aufgeführten „tribal chiefs“ und „informellen Führer und Milizen“ nichts mit den „Feinden Afghanistans“, nämlich Drogenhändlern, Warlords und Islamisten zu tun hätten, ist angesichts der mehrfach unter Beweis gestellten mangelhaften Differenzierungsfähigkeit der deutschen Truppen (Stichwort Kunduz) schwer zu glauben. Und schließlich ist die Bestechung von Privatarmeen und Glaubenskriegern seit jeher Bestandteil westlicher Interventionen in Afghanistan. Erinnern wir uns nur an die großzügigen Beihilfen zum Kampf der Mudschaheddin gegen die Sowjetunion in den 80er Jahren, in desssen Verlauf die Taliban überhaupt erst zur Macht wurden.

Aber Musche ist als hoher Offizier beim Bundesverteidigungsministerium auch in politischer Verantwortung und dementsprechend in seinen Ausführungen auf dem neuesten Stand der Regierungserklärungen. Die Unterscheidung von „Taliban insgesamt“ und „militanten Kräften aus deren Millieu“ sei ihm wichtig. Unter diesen Umständen werden zu den gerade in Petersberg bei Bonn stattfindenden Verhandlungen zur Machtübergabe in Afghanistan wohl sicher nur „gemäßigte“ Islamisten, Warlords und Drogenhändler eingeladen. Dazu Musche sinngemäß: Eine nachhaltige Beilegung des Konflikts erfordere die Einbeziehung aller Konfliktparteien. Hier kommt nicht zuletzt zum Tragen, was er anschaulich als „interkulturelle Kompetenz“ der Bundeswehr demonstrierte: „Wenn sie den Afghanen fragen ob der Steinigung toll findet, sagt der: Na klar!“

Während sich die anschließende Diskussion mit allgemeinen Fragen zum Afghanistaneinsatz beschäftigte, geriet das eigentliche Thema aus dem Blick. Kein Wunder – ging die Frage nach der Bundeswehr als Entwicklungshelfer doch am eigentlichen Politikum vorbei. Anhand einer Übersicht über die deutschen Gelder für Entwicklung und Aufbau in Afghanistan zeigte Musche, dass das Verteidigungsministerium mit rund € 1,7 Mio gegenüber den € 250 Mio. aus dem Etat der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) keinen wesentlichen Anteil hat.
Christian Musche, der sich selbst als „Vater“ der Kooperationsvereinbarung zwischen dem Ministerium und der GIZ bezeichnet, sagte es zwar nicht, aber weiß es selbst am Besten: Wir haben es nicht mit einer Zivilisierung der Bundeswehr zu tun, sondern mit einer Militarisierung der staatlichen Entwicklungsarbeit.

Dies hat seinen Grund im “deutschen Interesse“, das nicht nur in Afghanistan vor allem ein wirtschaftliches ist. Sicherheit bedeutet im politischen Jargon auch Versorgungssicherheit der eigenen Bevölkerung – durch einen Platz an der Sonne des Weltmarktes. Das inzwischen zurückgesteckte Ziel einer Demokratisierung, meint eigentlich die Gewährleistung der viel beschworenen offenen Märkte – offen für Investitionen der deutschen Wirtschaft. Für dieses Ziel wird in der Entwicklungsarbeit ein Grundstein gelegt, erste Kontakte und Aufträge werden unter staatlicher Subventionierung geschlossen. Und im Gegensatz zur Einhaltung der Menschenrechte, wird hier nicht so schnell aufgegeben. Um mit einem letzten Zitat unseres Gastredners zu schließen: „Afghanistan ist nicht alles.“

Deutscher Herbst: Termine zur Protestsaison

Alles wird immer schlechter. Immer härter müssen sich Schüler_innen um einen Platz in der Karriere verheißenden Tretmühle namens Uni prügeln. Humanistische Bildung ist von der Farce zum Phantom geworden – alle reden von ihr aber noch niemand ist ihr begegnet. Und auch der Kapitalismus scheint’s nicht mehr lang zu machen…

Deshalb alle auf die Straße! Aber jetzt wirklich! Los schon!

Mi, 16.11.2011 | 14 Uhr
Studierendenparlament und Vollversammlung

im H 0111

Mangelfinanzierung, zu wenig Studienplätze, Kampf um Praktika, zu wenig Tutor_innen und prekäre Beschäftigungsverhältnisse beschäftigen uns an diesem Mittwoch. Mit Hinblick auf die große Protestdemo am 17.11. wollen wir als Studierende uns den Raum nehmen in einer offiziellen Sitzung des Studierendenparlamentes über Probleme und mögliche Lösungsvorschläge zu diskutieren. Wir wollen uns außerdem darüber Gedanken machen wie wir kreativ unsere alltäglichen Probleme in der Uni darstellen können. Alle Studierenden und Beschäftigten sind aufgefordert sich der Vollversammlung der Studierenden anzuschließen und ihr Rederecht im Studierendenparlament wahr zu nehmen.

Do, 17.11.2011 | 12 Uhr
Große Bildungsprotestdemo am Mittwoch um 12 Uhr Rotes Rathaus

Demonstrieren für Solidarität und freie Bildung heißt es an diesem Donnerstag. Die Landesastenkonferenz lädt euch gemeinsam mit unserem Lauti* für freie Bildung auf die Straße zu gehen.

*Gefährt zur Wiedergabe agitatorischer Reden auf Demonstrationen

Und damit wir auch wissen warum:

Freitag, 18.11. 18:00 Uhr: Wirtschaft meets Wissenschaft
L115 Silberlaube Freie Universität, EG

Sonntag, 20.11. 18:00 Uhr: Überraschungskino
Zwille, Z-Gebäude TU-Campus

Montag, 21.11.: Zu schlecht für die Hochschule – Zugangs- und Zulassungsproblematik in BA/MA
TU, H3503

Das Studienplatzmangel scheint die aktuelle Tagespresse nie so ganz zu verlassen, aber was ist das eigentlich und warum wird es immer schlimmer? Mittlerweile steigen die zur Zulassung nötigen Wartesemester schneller an, als mensch überhaupt warten kann und mit einem Abitur, was nicht eine 1 vor dem Komma zu bieten hat, brauch mensch sich in Berlin bald gar nicht mehr bewerben. Diesem Fragen werden wir auf den Grund gehen und eine fundierte Kritik der Zulassungspolitik mit Euch diskutieren.
Aber selbst wenn der Mensch einmal Studierende_r geworden ist, hat er/sie dank dem zweigliedrigen Bachelor-Master System noch eine weitere Hürde zu nehmen, denn der erworbene Bachelor muss für den gewünschten Master „geeignet“ sein. Besteht mensch diese oft stark selektierende „Eignungsprüfung“ nicht, helfen auch keine Wartesemester – der gewünschte Master kann nicht studiert werden. Hier wollen wir ansetzen und die Umsetzung von Bologna in Deutschland anhand dieser Problematik diskutieren und im Vergleich zu anderen Länder beleuchten.

Dienstag, 22.11 18:00 Uhr: Forschung für Überwachung und Krieg
Beuth Hochschule für Technik Berlin, Luxemburger Straße 10, Raum A 322

Welche Rolle spielen deutsche Universitäten für die Rüstungsforschung und die Entwicklung moderner „Sicherheitsachitekturen“? Welche Verbindungen zu Bundeswehr und CO. gibt es? Und was können wir dagegen tun? Hilft eine sogenannte „Zivilklausel“? Berichte, Fragen und hoffentlich einige Antworten.

Mittwoch 23.11., Was war, was bleibt, was wird – Utopien der Bildungsproteste
TU H2036

Was ist der AStA?

Was ist der AStA? Kurz gesagt: Der AStA, der Allgemeine Studierendenausschuss, ist die politische Interessenvertretung der Studierenden einer Hochschule und eines der zentralen Organe der Verfassten Studierendenschaft neben dem Studierendenparlament und der studentischen Vollversammlung.

Die Verfasste Studierendenschaft ist im Berliner Hochschulgesetz manifestiert. Dort heißt es in 18 Abs. 1:“Die immatrikulierten Studenten und Studentinnen einer Hochschule bilden die Studierendenschaft. Die Studierendenschaft ist eine rechtsfähige Teilkörperschaft der Hochschule. Sie verwaltet ihre Angelegenheiten im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen selbst.“
Die Studierenden haben also – parallel zu der Gremienstruktur der Akademischen Selbstverwaltung – ihre eigene, studentische Selbstverwaltung, die bestimmte, ebenfalls in o. g. Paragraphen festgelegte, Aufgaben zu erfüllen hat.
So viel zu den Rahmenbedingungen und nun zum AStA an sich: (mehr…)