„Russenlager“ und Zwangsarbeit: Vorträge der Veranstaltungen jetzt online

Die Ausstellung „Russenlager“ und Zwangsarbeit im TU Hauptgebäude ist nun wieder abgebaut. Im Nachgang wird es einen längeren Bericht im nächsten AstA-Info geben.

Fotos von der Eröffnung am 9. Januar sind nun auch auf unserem Flickr-Account.

Auf unserem Youtube-Kanal könnt ihr die drei inhaltlichen Veranstaltungen nocheinmal nachhören.

- Alex J. Kay: NS-Pläne für den Osten: Ausbeutung, Umsiedlung, Massenmord (45:32min)
Vortrag zur NS-Zukunftsplanung (Backe-Plan und Generalplan Ost) auf dem Gebiet der Sowjetunion. Gehalten am 13.01.2012 in der HU-Berlin.
- Thomas Kuczynski: Brosamen vom Herrentisch (65:23min)
Vortrag über den Profit aus Zwangsarbeit und die Zwangsarbeiterentschädigung. Gehalten am 20.01.2012 im Kontakte Domizil (Berlin-Schöneberg)
- Podium: Marcus Funck, Peter Jahn, Jens Nagel, Hilde Schramm: Sowjetische Kriegsgefangene – Vergessene NS-Opfer (79:16min)
Diskussion zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus am 26.01.2012 an der TU Berlin

Unser Abschlussbeitrag auf der Finissage:

Im folgenden ein paar Worten, zur Sicht der Studierendenschaft auf die Ausstellung.
Zunächst einmal möchten wir uns im Namen der Studierenden bei dem Verein Kontakte-Kontakty für die Möglichkeit bedanken, ihre Ausstellung hier präsentieren zu können. Unser Dank gilt auch den ReferentInnen der Begleitveranstaltungen für die Einblicke in ihre Arbeit und die spannenden Diskussionen.
Der Allgemeine Studierendenausschuss beschäftigt sich vordergründig mit Bildungs- und Hochschulpolitik, sorgt sich um das Semesterticket und bietet eine umfangreiche Sozial- und Studienberatung. Aber, zu unserem Auftrag gehört auch die politische und kulturelle Weiterbildung der Studierendenschaft.
Für uns ist die Ausstellung eine, leider einzigartige, Sammlung mit emphatischen Berichten, die einen differenzierten Blick auf die Verbrechen der Wehrmacht und auf historische Zusammenhänge ermöglichen. Allgemein hinterlässt sie beim Betrachter Gefühle wie Bedrückung und Scham. Gleichzeitig aber auch die klare Haltung gegen Zwangsarbeit, gegen Internierung und vor allem gegen Krieg. Das pazifistische Moment war uns besonders wichtig.
Wir registrieren derzeit, beim Umgang mit dem Thema Rüstungsforschung eine zunehmende Entpolitisierung an unserer Hochschule. Diskussionen werden gemieden, kleingehalten und durch das Gerede von marktkonformer Lehre und Exzellenzforschung verunmöglicht.
Es scheint als gäbe die TU-Berlin schleichend, ihren Anspruch zur humanistischen Neuausrichtung nach dem Nationalsozialismus, zu Gunsten wirtschaftlicher Zwänge auf. Denn die Thematisierung des Krieges, als die „Fortführung der Politik mit anderen Mitteln“, passt irgendwie nicht in diese Zeit – in den universitären Alltag.
Er passt, schon begrifflich, nicht in die Seminare, in Diplom- und schon gar nicht in Bachelorarbeiten. Die Kritik an der Komplizenschaft der Wissenschaften mit vergangenen und aktuellen Kriegen, passt auch nicht in die universitären Gremien der TU-Berlin. Zu moralisch, zu weltfremd, zu vergeistigt. Immer wieder bemüht sich der AStA diese „Verschwiegenheit“, so nannte es Peter Jahn am 26. Januar, anzugreifen. Mit Protokollerklärungen, Artikeln, Veranstaltungen, Kongressen und eben auch mit Ausstellungen.
Durch die Zusammenarbeit mit dem Verein Kontakte-Kontakty wollten wir uns eindeutig politisch positionieren. Gegen Geschichtsvergessenheit, Krieg und Kriegsvorbereitung. Wir haben dafür viel Anerkennung bekommen. Von Studierenden, vom Präsidium der TU, dem Referat für Außenbeziehungen und vor allem von den Gästen der Veranstaltungen. Erwartet hatten wir allerdings etwas mehr.
Zum Beispiel eine stärke Einbindung in Seminare und Vorlesungen. Aber auch die bewusste Aufnahme der Ausstellung in der TU-Außendarstellung wäre angebracht gewesen. Obwohl die Vizepräsidentin Frau Wendorf die Eröffnungsrede hielt, war die Ausstellung ein ungeliebtes Kind.
Nicht nur weil der AStA daran beteiligt war, als natürlicher Feind der Verwaltung, sondern weil das ungeschriebene Gesetz „keine Politik im Hauptgebäude“ mal wieder von Studierenden gebrochen wurde. Das ehrt die Ausstellung: Denn die politische Forderung nach Entschädigung ist unverkennbar.
Wir hatten mehr Studierende bei den Veranstaltungen erwartet. Umso mehr werden die Ausstellung aber durch Zufall, beim Vorbeigehen, an diesem zentralen Ort gesehen haben. „Schockierend“ sei sie und „ganz schön hart“. Und einhellig heißt: „In dem Ausmaß, haben wir davon bisher nicht gewusst.“
Offenbar haben wir hier etwas angestoßen, was Marcus Funck als „Prozess des historischen Lernens in der Gegenwart und für die Zukunft“ bezeichnet hat. Das „kollektive Gedächtnis“ das in Deutschland biografisch eher Täterzentriert ist, wird durch die Geschichten und Perspektiven der verschiedenen Opfergruppen wiederlegt, ergänzt und eben auch differenzierter.
Hilde Schramm hat vor zwei Wochen hier angeregt die eigenen persönlichen Möglichkeiten zu nutzen, um das Anliegen der sowjetischen Kriegsgefangenen bekannter zu machen.
Wir hoffen dies ist uns gelungen.