Erfahrungsbericht: Ein Sommer mit uni-assist

Ein Text von Betroffenen, der dem AStA anonym zugesandt wurde:

Es ist bald wieder soweit: Der 15. Juli, die Bewerbungsfrist für die meisten BA-Studiengänge rückt immer näher. Für die internationalen Studienbewerber bedeutet das, dass sie ihre Bewerbungsunterlagen in Kürze bei uni-assist abgeben müssen. Uni-assist ist ein externer Dienstleister für etwa 120 deutsche Hochschulen, dessen Aufgabe ist es, die Hochschulzugangsberechtigung internationaler Kandidaten sowie teilweise Sprachkenntnisse zu überprüfen. Auf den ersten Blick gewinnt man den Eindruck, dass uni-assist für die Studenten sehr hilfreich ist: Man schickt nur einen Satz Dokumente auch bei mehrfacher Bewerbung, wodurch sich die Kosten erheblich reduzieren lassen und bekommt ein Feedback, ob die Bewerbung vollständig ist und kann eventuell Dokumente nachreichen. Auf den ersten Blick..Leider hat uni-assist mit einem modernen, serviceorientierten Unternehmen wenig zu tun.

Erstens man zahlt schon dafür, dass man sich überhaupt bewirbt. 68€ für die erste Bewerbung, wenn man außerhalb der EU ist, 43€ als EU-Bürger. Jede weitere Bewerbung für beide Gruppen kostet 15€. Bei einer Bewerbung für 3 Universitäten liegt man also schnell bei 100€. Noch mal zur Erinnerung: Man bezahlt für die Überprüfung, nicht für die Weiterleitung an die gewünschte Uni. Der Bewerbungsweg ist steinig und fängt schon mit den Zahlungsoptionen an. Es gibt keine online-Zahlungsoption, PayPal ist hier auch ein Fremdwort. Um eine Kreditzahlung vorzunehmen, muss man sich ein Formular von der uni-assist Seite herunterladen, es ausfüllen (Kreditkartennummer, CVC-Code), ausdrucken und an uni-assist per Post schicken, weil die Unterschrift nur im Original vorliegen kann. Herzlich willkommen im 21. Jahrhundert. Soll man zu viel bezahlt haben, ist eine Rücküberweisung nur auf europäische Konten möglich. Punkt. Wenn man keins hat, auch keine Freunde oder Verwandte in Europa, dann bleibt das Geld bei uni-assist.

Das Entgelt wurde vor etwa einem Jahr erhöht, mit der Begründung, nur so ließe sich die Bearbeitungsqualität und Serviceangebot verbessern. In der Tat: Eine Antwort auf seine E-Mail bekommt man im Juni nach etwa einer Woche (vielen Dank für die Standardtexte). Um am Telefon durchzukommen braucht man höhere Gewalt. In der Sprechstunde kann man nichts kopieren, geschweige Internet nutzen. Statt Infomaterialien bekommt man höchstens die eine oder die andere Website auf einem Notizzettel aufgeschrieben.

Dafür gibt es einen extra Service: Die online Bewerbung . Sinn der Sache: man lädt die Dokumente hoch, sie werden überprüft, danach schickt man alles in Papierform. Leider kann man sich online für Studiengänge bewerben, die teilweise gar nicht angeboten werden und bekommt immer wieder eine Fehlermeldung: Mal beim Hochladen, mal beim Antragausfüllen, mal kann man sich einfach nicht einloggen. Es wäre alles nicht so schlimm, wenn uni-assist es zumindest schaffen würde die online Bewerbungen rechtzeitig zu überprüfen. Wer aber auf ein Feedback wartet, ist schlecht beraten. Die online Bewerbungen werden anscheinend nicht wirklich bearbeitet; wer bis Fristablauf keine Papierunterlagen schickt, hat Pech. Dass diese online Bewerbung gar nicht notwendig ist, ist leider auf der Internetseite nirgendwo vermerkt.

A propos Internetauftritt. Die Seite ist in 5 Sprachen verfügbar. Fast. Wenn am auf das spanische französische oder russische Fähnchen klickt, landet man bei dem alten Internetauftritt der halbwegs aktuell ist. Der Informationsgehalt der Seite ist beeindruckend: auf mehreren, dicht und unübersichtlich beschriebenen Seiten erfährt man, dass man alles Wesentliche nur auf der Internetseite der Wünschuniversität erfahren kann. Das Ganze im Behördendeutsch vom feinsten,
Kaskadensätzen (teilweise 1 Satz à 4 Zeilen) und grammatikalisch einwandfrei („Die Sprechstunde (…) findet einen Etage höher statt“). Wohl bemerkt: Die Hauptkunden sind internationale Studenten. Die sollen aber Deutsch können. Keine Angst, wenn man sich stattdessen die englische Version anschaut, verpasst man nichts . Alles genauso gut strukturiert, konsequent (Hervorhebung mal in Farbe, mal Blockschrift, mal fett geschrieben) und nutzerfreundlich.

Alles kein Problem. Wir haben es geschafft: Alles bezahlt und abgeschickt. Nun müssen wir mindestens (!) 4 Wochen auf die Ergebnisse der Überprüfung warten. Diese Zeit lässt sich leicht einplanen, man muss sich einfach früh genug bewerben. Was sich nicht leicht einplanen lässt, sind Verzögerungen bei uni-assist. Nicht ohne Grund heißt es „mindestens 4 Wochen“. Besonders im Sommer dauert die Bearbeitung viel, viel länger. Bekommt man den Bescheid nach der Frist – Pech, man darf nur bis Fristablauf nachreichen, danach nicht mehr. Eine Entschuldigung? Von wegen: Sie können sich gerne für das kommende Semester bewerben. Und neu bezahlen.

Keineswegs möchten wir behaupten, dass uni-assist ausländerfeindlich ist. Auch deutsche Studenten kommen teilweise in den Genuss von uni-assist Dienstleistungen. Eigenbewerber u.a. der Uni Potsdam oder Goethe-Universität Frankfurt/Main müssen Ihre Unterlagen auch zu uni-assist schicken oder mindestens hochladen. Dabei kommt es auch zu Pannen: Beispielsweise gehen die Unterlagen, teilweise auch Originale verloren. In solchen Fällen argumentiert uni-assist, dass es sich nicht 100% feststellen lässt, ob das Dokument tatsächlich eingereicht wurde (obwohl man nach jedem Einreichen eine Eingangsbestätigung bekommt, wo zumindest steht, ob Antrag oder sonstige Dokumente eingereicht wurden). Aus Kulanzgründen kann höchstens Kostenübernahme für Ausstellung eines Duplikats angeboten werden. Ein „Entschuldigung“ für die Umstände gibt es natürlich nicht.

So weit, so gut. Es wäre an der Zeit zu fragen, für wen uni-assist vom Vorteil ist? Bestimmt für die Universitäten, die ihre Aufgaben teilweise auslagern können und somit am Personal sparen können. Für die Bewerber – teilweise, wenn sie sich früh genug bewerben und das Glück haben, dass bei uniassist nichts schief läuft. Sicher ist, dass in dieser Form fügt uni-assist einem enormen Image-Schaden dem Wissenschaftsstandort Deutschland. Wie sollen wir die besten Köpfe locken, wenn sie sich uni-assist antun sollen? Uni-assist ist eine der erste Stellen, mit welcher internationale Studenten in Berührung kommen. Es ist genauso kundenorientiert wie eine Behörde, der Service steht in keiner Verhältnis zum Preis, der zu zahlen ist. Man muss unglaublich viel Zeit investieren, um sich auf der Internetseite zurecht zu finden, am Ende ist man nicht viel klüger als davor. Vielleicht doch besser Camebridge?